Die Schilddrüse der Katze - Alles in Balance?

Die Schilddrüse der Katze – Alles in Balance? 

Die häufigste hormonelle Alterserkrankung von Katzen ist die Feline Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion). Sie betrifft Katzen ab 8 Jahren, 18 Prozent der Neunjährigen und 50 Prozent der 18-Jährigen. Doch warum tritt die Stoffwechselerkrankung so oft auf? Dazu müssen wir zunächst wissen, wie die Schilddrüse funktioniert und warum sie so anfällig für hormonelle Imbalancen ist. 

Funktion und Aufgaben der Schilddrüse

Als endokrines Organ ist die Schilddrüse (Glandula thyroidea) maßgeblich am Hormonhaushalt der Katze beteiligt. Sie produziert die Hormone Thyroxin und Trijodthyronin. Damit die Hormonsynthese funktioniert, benötigt sie Jod (Iodid), welches in ihre Zellen eingelagert ist. Diese können so L-Thyroxin (T4) und L-Trijodthyronin (T3) produzieren. In der Nebenschilddrüse wird zudem das Parathormon abgesondert, welches für die Resorption der Knochen zuständig ist. Über die Hypophyse im Gehirn und das Thyroidea Stimulierende Hormon (TSH), welches pulsierend ausgeschüttet wird, wird die Synthese von T3 und T4 angeregt. Über die Hypothalamus-Hypophysen-Achse im Gehirn wird zudem das Thyreotropin Releasing Hormon (TRH) gebildet, welches wiederum die Ausschüttung von TSH anregt. Über diesen Regelkreis wird die Synthese von Schilddrüsenhormonen gesteuert. 

Diese beeinflussen alle Enzym- und Hormonsysteme, zum Beispiel das Zentrale Nervensystem (ZNS) und die Muskelaktivität (auch den Herzmuskel), im Körper der Katze und die Skelett-, Zell- sowie ZNS-Entwicklung ihrer Nachkommen. Die Schilddrüsenhormone stimulieren neben der Proteinsynthese (Natrium- und Kalium-ATPase) auch den Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel und haben einen Einfluss auf die Wärmeproduktion und den Sauerstoffverbrauch – somit auf alle metabolischen Prozesse. Sie gewährleisten eine ausgeglichene Energiebilanz und können den Stoffwechsel in den Geweben dem Bedarf anpassen. Werden zu viele von ihnen produziert, sprechen wir von einer Schilddrüsenüberfunktion.  

Schilddrüsenüberfunktion bei der Katze

Bei der am verbreitetsten endokrinen Pathologie der Katze steigt die Sekretion von Schilddrüsenhormonen an. Dies kann vielfältige Ursachen haben, die Sie weiter unten erfahren. Bei fast allen Katzen bilden sich gutartige Tumore in der Schilddrüse, nur zwei Prozent sind von Karzinomen betroffen. Zudem sinkt die TSH-Produktion. Die Erkrankung geht mit einer gesteigerten Stoffwechselaktivität (Hypermetabolismus) einher. 

Schilddrüsenüberfunktion vs. Schilddrüsenunterfunktion – Wo liegt der Unterschied?

Im Gegensatz zur Hyperthyreose werden bei der Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) zu wenig Schilddrüsenhormone ausgeschüttet. Der TSH-Wert steigt jedoch an. Auch hier bilden sich Tumore. Der Stoffwechsel reagiert genau gegenteilig, er wird träge und arbeitet langsamer. Diese Pathologie tritt häufig bei Hunden auf und hat ebenfalls multifaktorielle Ursachen. 

Multifaktorielle Ursachen

Oft lässt sich die Ursache einer Schilddrüsenerkrankung nicht eindeutig identifizieren. Neben angeborenen Fehlfunktionen oder Störungen in der Hormonsekretion können andere Erkrankungen, Traumata und Tumore an Hypothalamus, Hypophyse oder Thyroidea einen Hypermetabolismus auslösen. Man geht jedoch davon aus, dass vor allem Medikamente, Umweltfaktoren und Ernährung einen großen Einfluss auf das metabolische System der Katze haben. So können Zusatz- und Schadstoffe im Industriefutter den Stoffwechsel negativ beeinflussen. Kunststoffe, z.B. Bisphenol A in Futterdosenbeschichtungen, stimulieren das TSH, da sie der Struktur von T3 ähneln. Ein Jodüberschuss in der Fütterung oder Soja-Isoflavone (häufig in Sojabohnen enthalten) können Einfluss auf die TSH-Ausschüttung nehmen – ebenso wie ein Selenmangel. Denn dieses schützt die Zellmembranen vor oxydativem Stress und hält den normalen Regelkreislauf der Schilddrüse und des Jods aufrecht. Selen kann zudem Schwermetalle ausleiten. Nicht zuletzt kann auch die Eingabe von tierischen Nebenprodukten, etwa Schilddrüse/Schlund von anderen Tieren, die man häufig verarbeitet ein Fertigfuttern findet, den Regelkreislauf der Schilddrüse in Imbalance bringen. Auch Stress und Haltungsbedingungen sind nicht zu unterschätzen. Doch woran erkennen Sie eine Hyperthyreose bei Ihrer Katze?  

Symptome – Wie erkenne ich eine Schilddrüsenüberfunktion?

Eine Schilddrüsenüberfunktion ist nicht einfach zu erkennen, da sie meist schleichend auftritt und oft erst Monate nach Ausbruch mit klinischen Werten ermittelt werden kann. Sie können jedoch auf folgende Symptome bei Ihrer Katze achten, die entweder einzeln oder gebündelt auftreten können:

  • Gesteigerter Appetit

  • Gewichtsabnahme

  • Durchfall

  • Erbrechen

  • Stumpfes bis struppiges Fell oder Haarausfall

  • Bluthochdruck und schnellerer Herzschlag sowie Herzgeräusche

  • Hecheln

  • Unsauberkeit, Stress und Aggressivität

  • Niereninsuffizienz

Diese Symptome können auch auf eine Reihe weiterer Pathologien wie Diabetes, Leukose, Niereninsuffizienz oder Herz- und Lebererkrankungen hindeuten. Es gibt jedoch einige klinische Werte, die dabei helfen, eine Hyperthyreose zu identifizieren. 

Verlauf der Erkrankung

Da die Krankheit schleichend eintritt, sollten Sie, wenn Sie entsprechende Symptome bei Ihrer Katze wahrnehmen, einen Tierarzt aufsuchen und eine Blutuntersuchung sowie eventuell ein Ultraschall der Schilddrüse Ihrer Katze durchführen lassen. Im Blutbild fallen oft der T4-Wert und gesteigerte Leberenzymwerte wie ALP auf. Diese sind geringfügig bis deutlich erhöht. Thyroxin kann eine chronische Hepatitis begünstigen. Auch der GFR-Wert steigt, Harnstoff und Kreatinin sind eher niedrig. Bei einer starken Entzündungsreaktion des Körpers steigt die SAA-Konzentration um etwa 50 Prozent an. 

Achtung:

Bei Stress und Katzen mit Albuminverlust oder Hyperalbuminämie können die T4-Werte verfälscht sein. Andere, oben bereits genannte, Erkrankungen und Pankreasinsuffizienz oder Durchfall können ihn absenken. Sojahaltiges Futter und Hyperalbuminämie erhöhen ihn. Daher ist es umso wichtiger, auf die Symptome zu achten und diese zu beobachten sowie den T4-Wert regelmäßig zu überprüfen. Wenn T4 unauffällig ist, aber die Symptomatik passt, sollten auch fT4 (freies T4) und TSH beobachtet werden. Anders als im Humanbereich ist TSH nicht als alleiniger Marker möglich, da es auch bei gesunden Katzen erniedrigt sein kann und stoßweise ausgeschüttet wird. fT4 kann wiederum fälschlich erhöht sein. Es ist also mitunter nicht so einfach, die verlässliche Diagnose Hyperthyreose zu stellen. Es kann helfen, die Schilddrüse zu schallen oder zu palpieren. Im gesunden Zustand ist sie nämlich nicht palpierbar. Allerdings ist sie bei älteren  und an Hyperthyreose erkrankten Katzen oft fühlbar (vergrößert). Dies kann ein ein Indiz für eine Schilddrüsenüberfunktion im Frühstadium sein. Tumore sind jedoch selten palpierbar, da sie meistens diffus verstreut in der Brusthöhle liegen. Man muss das Gesamtbild, den Symptomkomplex, betrachten. 

Hierbei ist es besonders wichtig, auch auf Folge- und Begleiterkrankungen der gesteigerten Stoffwechselaktivität zu achten. Eine Hyperthyreose kann eineChronische Niereninsuffizienz überdecken, da Harnstoff und Kreatinin eher niedrig und die GFR erhöht sind. Der SDMA-Wert gilt als verlässlicher Marker zur Früherkennung einer Chronischen Nierenerkrankung (CNE). Das Euthyroid-Sick-Syndrom kann die T4-Aktivität beeinflussen, ohne eine wirkliche Schilddrüsenerkrankung als Ursache zu haben. Es tritt häufig mit felinen Nierenerkrankungen auf.  

Besonderer Kontrolle bedarf auch das Symptom Bluthochdruck (Hypertonie). Durch die Dauerbelastung des Herzmuskels erhöht sich nicht nur die Herzfrequenz, sondern auch der Sauerstoffbedarf. Auf lange Sicht kann es zu Erkrankungen von ihm, Herzkammern und Gefäßen mit Herzgeräuschen bis hin zu Herzversagen kommen. Daher geben Sie Acht, wenn Ihre Katze bei leichter Anstrengung oder Stress hechelt!   

Das Endstadium

Wird eine Hyperthyreose nicht (ausreichend) behandelt, wird das System auf Dauer durch den Hypermetabolismus überlastet. Es kann zu Folgeerkrankungen und Organversagen bis hin zum Herztod Ihrer Katze führen.   

Behandlungsmöglichkeiten

In der Regel werden vom Tierarzt Thyreostatika wie Thiamazol, z.B. Felimazol, Carbimazol oder Thyronorm verschrieben. Diese werden als Tablette oder Saft oral eingegeben. Sie hemmen die Hormonsynthese, so dass weniger von ihnen in der Schilddrüse produziert werden. Diese können Nebenwirkungen, vor allem auf den Magen-Darm-Trakt Ihrer Katze, haben. Ihre Eingabe sollte regelmäßig durch Kontrolluntersuchungen überwacht und bei Bedarf angepasst werden. In den ersten Monaten sogar alle 14 Tage, nach erfolgreicher Einstellung auf die richtige Dosis (T4 im Normbereich) nur noch alle drei bis sechs Monate. Zu beachten ist hier vor allem, dass es bei einer zu hohen Dosierung zu einer Schilddrüsenunterfunktion kommen kann. Alle Begleiterkrankungen sollten mitbehandelt werden!

Die Radio-Jod-Therapie gilt als Goldstandard, ist jedoch ein sehr teures Verfahren, das auf Grund von Auflagen nur in wenigen Kliniken durchgeführt wird (Strahlungsgefahr!). Dabei wird radioaktives Jod in die Schilddrüse aufgenommen und macht das Gewebe kaputt. Das Restgewebe kann sich regenerieren. In seltenen Fällen wird die Schilddrüse komplett entnommen (Thyroidektomie). 

Der normale Jodbedarf einer Katze liegt bei 0,46 mg pro Kilogramm Körpergewicht. Bei einer jodarmen Diät werden ihr nur 0,2 mg zugeführt, um die Hormonsynthese herunterzufahren. Dies wird oft in Betracht gezogen, wenn Katzen Thyreostatika nicht vertragen, da die Langzeitfolgen, z.B. Jodmangel, nicht bekannt sind und die Diät in Mehrkatzenhaushalten oder bei Freigängern schwer zu kontrollieren ist. Jod ist auch in Eiern, Fischen, Meeresalgen und Salz zu finden. Daher ist auch auf den Salzgehalt in (Fertig-)Futtermitteln zu achten. Eine Katze benötigt pro Woche nur ein bis zwei Prisen Salz. Es ist umstritten, ob Meeresalgen dem Futter zugesetzt werden sollten, um den Jodbedarf zu decken.    

Die Naturheilkunde kennt einige alternative Verfahren wie Akupunktur und Phytotherapie, um den Stoffwechsel der Katze zu unterstützen und zu regulieren. So gilt der Wolfstrapp als Kraut, das den Hormonhaushalt positiv beeinflusst und den Jodtransport und damit auch die Ausschüttung von T4 und TSH hemmt. Allerdings sollte eine Fütterung nur nach Rücksprache und Beratung durch einen Tierheilpraktiker erfolgen, da jede Katze eine individuelle Dosierung benötigt. 

Durch eine ausgewogene, artgerechte Ernährung können sie der Hyperthyreose bereits in jungen Jahren vorbeugen. Verzichten Sie auf Industrie-Fertigfutter mit Zusatzstoffen, hohem Jod- oder Salzgehalt, Getreide und Zuckern sowie tierischen Nebenerzeugnissen. Eine Futterberatung durch einen Tierheilpraktiker oder Ernährungsberater kann Ihrer Katze helfen, so zu fressen, dass ihr Hormonhaushalt in Balance bleibt und sie lange und glücklich mit Ihnen gemeinsam Zeit verbringen kann.

Tipp: Selenquellen sind fette Fische wie Thunfisch und Hering.

von Mona Kampe

Tierheilpraktikerin

pheecatz & friends – Holistische Heilpraxis für Katzen

www.pheecatzandfriends.de

Quellen:

https://www.tieraerzteverlag.at/

Gäbel/Löffler: Anatomie und Physiologie der Haustiere

Ziegler: Rohkäppchen und der zahnlose Wolf. B.A.R.F. - Artgerechte Fütterung verstehen und anwenden









 




 






       

 








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