Gesundheit beginnt nicht erst beim Symptom

Interview mit Mandy Kölbl - Ridgeback Züchterin und Tierheilpraktikerin. Mandy spricht über gesunde Aufzucht, Ernährung, Prävention und darüber, warum es sich lohnt, beim Hund genauer hinzuschauen.
12. Oktober 2026 durch
Gesundheit beginnt nicht erst beim Symptom
Provicell, Katrin Schweinsberg
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Kurzbeschreibung: Was braucht ein Hund für einen möglichst guten Start ins Leben? Welche Verantwortung tragen Züchter – und warum lohnt es sich, bei gesundheitlichen Problemen genauer hinzuschauen? Darüber haben wir mit Mandy von Crying Wolf's Natur Pfoten gesprochen. Sie verbindet zwei Perspektiven: die einer leidenschaftlichen Ridgeback-Züchterin und einer Tierheilpraktikerin.

Was hat dich ursprünglich zum Ridgeback gebracht – und was fasziniert dich bis heute an dieser Rasse?

Das war bei mir tatsächlich keine Entscheidung nach Checkliste. Ich war bei einer Freundin, die einen Ridgeback hatte. Dieser Hund saß auf einer Ofenbank, hat mich von oben bis unten gemustert und mir dann praktisch erlaubt, mich neben ihn zu setzen.

Diese unglaubliche Präsenz hat mich sofort fasziniert. Man kommt in einen Raum und nimmt diesen Hund wahr – und gleichzeitig nimmt er auch dich sehr genau wahr.

Bis heute liebe ich besonders diese Gegensätze: Ridgebacks können sehr souverän und kraftvoll wirken, sind gleichzeitig aber unglaublich fein und sensibel. Sie beobachten viel und hinterfragen auch Entscheidungen. Ich habe nicht nur einen Hund gesucht, der funktioniert, sondern der will, dass er verstanden wird - und das hat mich zur Rasse gebracht. Und wenn man glaubt, man hätte nach mehreren Ridgebacks endlich verstanden, wie sie funktionieren, kommt der nächste und sagt: Schön für dich – bei mir machen wir das jetzt aber ganz anders. 

Man muss sich die Zusammenarbeit mit ihnen ein Stück weit verdienen. Aber wenn diese Verbindung entsteht, kann sie unglaublich tief und intensiv sein.

Seit wann begleiten dich Ridgebacks?

Richtig intensiv beschäftige ich mich ungefähr seit 2011 mit der Rasse. Meine erste eigene Ridgeback-Hündin Dasha kam 2015 zu mir. Mittlerweile leben vier Ridgeback Mädels bei mir.

Und obwohl ich die Rasse inzwischen sehr gut kenne und viele Welpen aufgezogen habe, finde ich immer wieder faszinierend, wie unterschiedlich ihre Persönlichkeiten sind. Jeder Hund bringt eine ganz eigene Persönlichkeit und diese Eigenständigkeit mit, das fasziniert mich wirklich. Die Ridgebacks haben ihren eigenen Kopf.

Du bist heute nicht nur Züchterin, sondern auch Tierheilpraktikerin. Wie kam es dazu?

Eigentlich über die Zucht.

Für mich war es von Anfang an wichtig, den Menschen, die einen Welpen von mir bekommen, möglichst viel mitgeben zu können. Ich wollte auch nach der Abgabe Ansprechpartnerin bleiben, wenn Fragen oder Sorgen entstehen.

Daraus ist irgendwann der Wunsch entstanden, immer mehr zu wissen. Ich habe zunächst eine Ausbildung im Bereich Ernährungsberatung gemacht, danach die Ausbildung zur Tierheilpraktikerin und mich anschließend unter anderem mit Mykotherapie, Phytotherapie und vielen weiteren Bereichen beschäftigt.

Die entscheidende Frage war für mich dabei immer: Was können wir tun, damit ein Hund möglichst gesund durchs Leben kommt?

Und genau an diesem Punkt treffen für mich Zucht und Tierheilpraxis aufeinander.

Was bedeutet für dich ein ganzheitlicher Blick auf die Gesundheit eines Hundes?  

Gesundheit beginnt für mich nicht erst dann, wenn ein Hund Symptome zeigt. Ganzheitlich bedeutet für mich zunächst einmal etwas ganz Einfaches: Ich schaue nicht nur auf das Symptom, sondern auf den ganzen Hund.

Wenn beispielsweise ein Hund immer wieder Durchfall hat, ständig schmatzt, Hautprobleme entwickelt oder sehr unruhig ist, dann möchte ich nicht nur wissen: Was können wir gegen dieses eine Symptom tun? Ich möchte verstehen, warum der Körper gerade so reagiert.

Und dafür muss ich mir verschiedene Bereiche anschauen. Wie wird der Hund ernährt? Wie funktioniert seine Verdauung? Gibt es Auffälligkeiten in Befunden? Wie sieht sein Alltag aus? Wie viel schläft er? Wie viel Bewegung bekommt er? Gibt es Stress oder ständig wechselnde Routinen? Welche Erkrankungen oder Medikamente gab es in der Vergangenheit? Und natürlich spielen auch Alter, Genetik und individuelle Veranlagung eine Rolle. 

Als Züchterin versuche ich, möglichst gute Voraussetzungen für das spätere Leben zu schaffen. Dazu gehören für mich die Auswahl der Elterntiere, gesundheitliche Untersuchungen, Ernährung, Verhalten und die Aufzucht.

Als Tierheilpraktikerin versuche ich wiederum zu verstehen, wie verschiedene Dinge miteinander zusammenhängen. Denn der Körper besteht für mich nicht aus einzelnen Schubladen. Verdauung, Stoffwechsel, Immunsystem, Nervensystem, Bewegung und Verhalten beeinflussen sich gegenseitig. 

Ich möchte also nicht nur fragen: Welches Mittel passt zu diesem Symptom?

Mich interessiert vielmehr: Warum ist dieses Symptom überhaupt entstanden? Was zeigt mir der Körper des Hundes gerade?

Dann beginnt Prävention aus deiner Sicht bereits vor der Geburt eines Welpen?

Auf jeden Fall. Eigentlich beginnt sie bereits bei der Auswahl der Elterntiere.

Nicht jeder Hund sollte automatisch in die Zucht gehen. Man muss sich ansehen: Wie gesund sind die Linien? Welche genetischen Voraussetzungen gibt es? Wie ist das Wesen der Hündin? Wie geht sie mit Situationen um?

Auch beim Rüden schaue ich sehr genau hin.

Eine Zucht bedeutet für mich deshalb vor allem Verantwortung. Man sollte wissen, welches Ziel man mit einer Verpaarung verfolgt und welche Voraussetzungen beide Elterntiere mitbringen.

Natürlich lässt sich Biologie niemals vollständig planen. Kein seriöser Züchter kann garantieren, dass ein Hund sein ganzes Leben lang gesund bleibt.

Aber man kann versuchen, für den Start ins Leben möglichst gute Voraussetzungen zu schaffen.

Welche Rolle spielen Ernährung und Aufzucht dabei?

 Auf jeden Fall. Eigentlich beginnt sie bereits bei der Auswahl der Elterntiere.

Nicht jeder Hund sollte automatisch in die Zucht gehen. Man muss sich ansehen: Wie gesund sind die Linien? Welche genetischen Voraussetzungen gibt es? Wie ist das Wesen der Hündin? Wie geht sie mit Situationen um?

Auch beim Rüden schaue ich sehr genau hin.

Eine Zucht bedeutet für mich deshalb vor allem Verantwortung. Man sollte wissen, welches Ziel man mit einer Verpaarung verfolgt und welche Voraussetzungen beide Elterntiere mitbringen.

Natürlich lässt sich Biologie niemals vollständig planen. Kein seriöser Züchter kann garantieren, dass ein Hund sein ganzes Leben lang gesund bleibt.

Aber man kann versuchen, für den Start ins Leben möglichst gute Voraussetzungen zu schaffen.

Auch die zukünftigen Hundehalter lernen dich schon sehr früh kennen. Wie läuft das ab?

Ich plane einen Wurf grundsätzlich nur, wenn bereits ausreichend ernsthafte Interessenten vorhanden sind.

Die Menschen lerne ich häufig ein halbes bis ein Jahr vor einem geplanten Wurf kennen – manchmal sogar noch früher.

Wir schreiben und telefonieren zunächst. Danach lade ich die Interessenten zu mir ein. Mir ist wichtig, dass sie meine Hunde in ihrem normalen Alltag erleben und nicht erst dann kommen, wenn hier niedliche Welpen herumlaufen.

Wir trinken Kaffee, gehen gemeinsam spazieren und sprechen ausführlich darüber, wie das Leben mit einem Ridgeback tatsächlich aussieht.

Wenn es für beide Seiten passt, beginnt für die zukünftigen Welpenfamilien eine sehr intensive Zeit. Sie begleiten teilweise schon die Wurfplanung, bekommen regelmäßig Informationen und erleben die Entwicklung der Welpen sehr nah mit.

Dadurch entsteht bereits lange vor dem Einzug eine Verbindung.

Ich sage deshalb immer: Meine Welpen ziehen nicht aus – sie ziehen nur um.

Welche gesundheitlichen Themen begegnen dir heute besonders häufig in deiner Praxis?  

Sehr häufig sehe ich wiederkehrende Verdauungsthemen: Durchfall, wechselnde Kotkonsistenzen, Blähungen, Schmatzen, Übelkeit oder Unverträglichkeiten.

Hinzu kommen beispielsweise Hautprobleme, Juckreiz oder wiederkehrende Ohrenthemen.

Was mir dabei auffällt: Häufig gibt es gar nicht dieses eine isolierte Problem. Stattdessen kommen Menschen mit einem ganzen Komplex verschiedener Auffälligkeiten, vielleicht Verdauung, Haut und Verhalten gleichzeitig.

Ich würde aber nicht pauschal sagen, dass unsere Hunde heute kränker sind als früher.

Wir schauen heute viel genauer hin und haben gleichzeitig wesentlich mehr diagnostische Möglichkeiten. Ich würde deshalb weniger sagen: Unsere Hunde werden immer kränker. Sondern eher: Wir haben heute sehr viel mehr Möglichkeiten, Gesundheit zu beeinflussen – aber wir müssen lernen, diese Möglichkeiten sinnvoll einzusetzen.

Was bedeutet „genauer hinschauen“ für dich konkret?

Bevor ich mich auf einzelne Symptome konzentriere, schaue ich mir zunächst die Grundlagen an. Ist die Ernährung bedarfsdeckend? Passt das Körpergewicht? Wie viel Bewegung bekommt der Hund? Bekommt er ausreichend Schlaf und Ruhe? Wie sieht seine Zahngesundheit aus? Welche Leckerlis bekommt er? Welche Ergänzungen oder anderen Mittel werden gegeben?

Und natürlich: Wurden wiederkehrende Symptome überhaupt richtig abgeklärt? Gibt es Befunde und was wurde den bereits alles gemacht bzw wie behandelt? 

Ich beschreibe das manchmal wie einen Deckel: Man kann versuchen, ein Symptom immer wieder zuzudecken. Aber wenn die eigentliche Ursache bestehen bleibt, wird es möglicherweise irgendwann erneut sichtbar.

Mich interessiert deshalb vor allem, was unter diesem Deckel liegt.

Wie wichtig ist dabei die Zusammenarbeit mit dem Hundehalter?

Extrem wichtig.

Ich wünsche mir vor allem Ehrlichkeit, sowohl in meiner Arbeit als Züchterin als auch in der Tierheilpraxis.

Hundehalter sollten möglichst genau erzählen, was ihr Hund tatsächlich bekommt, welche Produkte eingesetzt werden und wie der Alltag aussieht.

Dabei geht es gar nicht darum, jemanden zu verurteilen. Häufig wissen Menschen schlicht nicht, dass eine vermeintliche Kleinigkeit relevant sein könnte.

Nur wenn wir möglichst genau wissen, was im Alltag passiert, können wir Zusammenhänge erkennen. Und deshalb empfehle ich lieber: nicht aus Angst vor Krankheiten ständig etwas zu tun – sondern aufmerksam genug sein, um im richtigen Moment das Richtige zu tun.

Was sollten Menschen wissen, bevor sie sich für einen Ridgeback entscheiden?  

Sie sollten sich nicht ausschließlich in die Optik verlieben.

Natürlich ist ein Ridgeback ein wunderschöner und sehr beeindruckender Hund. Aber dahinter steckt eben auch ein starker eigener Charakter.

Diese Hunde wurden darauf selektiert, selbstständig Entscheidungen zu treffen. Diese Eigenständigkeit, Präsenz und Willensstärke sollte man kennen.

Ein Ridgeback braucht aus meiner Sicht keinen Menschen, der ihn unterdrücken möchte. Er braucht einen Menschen, der Orientierung geben und gleichzeitig eine Beziehung zu ihm aufbauen kann.

Und diese Beziehung ist nie einfach irgendwann fertig. Auch meine älteste Hündin hinterfragt mit elf Jahren noch Entscheidungen.  Genau das gehört für mich zur Faszination dieser Rasse.

Ist der Ridgeback damit kein Anfängerhund?

Bei diesem Begriff widerspreche ich tatsächlich. Welcher Hund ist denn ein „Anfängerhund“? Für mich kommt es viel stärker auf den Menschen an. Kann jemand führen? Ist er bereit, Körpersprache wahrzunehmen? Beschäftigt er sich mit den Bedürfnissen des Hundes und der jeweiligen Rasse?

Irgendwann hat schließlich jeder seinen ersten Hund.

Entscheidend ist deshalb für mich eine andere Frage, die man sich vor dem Kauf eines Hundes generell stellen sollte. :

Passt dieser Hund wirklich zu meinem Leben?

Wer sich diese Frage selbst  ehrlich beantwortet und sich intensiv mit der Rasse auseinandersetzt, kann auch als Ersthundehalter einen Ridgeback begleiten.

Über Instagram erreichst du zusätzlich viele Hundehalter. Welche Fragen begegnen dir dort besonders häufig?

Viele Menschen wünschen sich sehr konkrete Antworten: Was ist das beste Trockenfutter? Mein Hund macht dieses oder jenes – was kann ich dagegen tun? Wie bringe ich meinem Hund etwas Bestimmtes bei? Das Problem ist, dass heute unglaublich viel Wissen verfügbar ist – aber eben häufig ungefiltert. Deshalb sehe ich meine Aufgabe nicht darin, für jedes Problem eine schnelle Lösung zu liefern. Ich möchte Menschen vielmehr dabei helfen, die richtigen Fragen zu stellen.

Wenn jemand beispielsweise fragt: „Warum läuft mein Hund nicht gut an der Leine?“, gibt es nicht den einen Tipp, der für jeden Hund funktioniert.

Man muss sich ansehen, welcher Hund und welcher Mensch dahinterstehen und was möglicherweise die Ursache ist.

Das gilt genauso für Themen wie Ernährung oder Darmgesundheit

Was möchtest du deiner Community vor allem mitgeben?  

Ich möchte nicht, dass jemand nach einem meiner Beiträge sofort loszieht und zehn neue Produkte kauft.

Mir wäre viel lieber, die Menschen versuchen ihren eigenen Hund besser zu verstehen.

Schaut genauer hin. Hinterfragt Zusammenhänge. Ordnet Informationen kritisch ein.

Jeder Hund ist eine eigene Persönlichkeit – und genau deshalb gibt es aus meiner Sicht auch nicht für jeden Hund dieselbe pauschale Lösung.

Vielleicht ist genau das der wichtigste Gedanke: Nicht sofort nach der nächsten Lösung suchen, sondern zunächst versuchen zu verstehen, was der eigene Hund wirklich braucht.

Unsere Interviewpartnerin

Mandy Kölbl

Crying Wolf´s Ridgebacks 
Tierheilpraktikerin, Ernährungsberaterin &  Züchterin 


Schwerpunkte:

  • Ernährungsberatung Hund 
  • Tierheilpraxis
  • Zucht

Bildrechte: 

Yvonne Obermeier Fotografie
Renate Koller Fotografie
und Cryingwolfs Ridgebacks 


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